Feuerwehrverein

Die Geschichte der Feuerwehr Etterzhausen bis zum heutigen Tage

Seit jeher stellte Feuer eine der größten Bedrohungen für das menschliche Leben und die Sicherheit der Bevölkerung dar. Jahrhunderte lang versuchten die Menschen, Brände mit einfachsten Mitteln zu löschen, meist ungeordnet und ohne gemeinsame Struktur. Wenn ein Feuer ausbrach, eilten Nachbarn zusammen, bildeten Eimerketten oder versuchten mit Hacken und Leitern das Schlimmste zu verhindern. Doch je dichter die Dörfer wurden und je größer die Gebäude, desto klarer wurde, dass gezielte Organisation notwendig war. Im 19. Jahrhundert reifte daher der Gedanke, dass nur gut ausgebildete und disziplinierte Gruppen in der Lage waren, effektiv Schaden abzuwenden und Menschenleben zu schützen.

In Bayern wuchs die Idee der freiwilligen Feuerwehren rasch. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Gemeinden die ersten Wehren, getragen von Bürgern, die Verantwortung übernehmen wollten. Auch im eigenen Ort folgte man diesem Vorbild und gründete 1874 eine Feuerwehr. Die frühen Berichte vermitteln ein Bild von großem Idealismus: Männer aus unterschiedlichen Berufen schlossen sich zusammen, übten regelmäßig und versuchten, eine schlagkräftige Truppe aufzubauen. Trotz begrenzter Mittel war der Wille stark, eine verlässliche Einrichtung zum Schutz der Gemeinschaft zu schaffen.

Die Anfangsjahre waren dabei keineswegs einfach. Die Feuerwehr litt unter erheblichem Geldmangel, wodurch Anschaffungen wie Uniformen, Schläuche oder Gerätschaften nur mühsam möglich waren. Gleichzeitig herrschte ein hoher Anspruch an Disziplin: Wer nicht zu Übungen erschien oder seinen Pflichten nicht nachkam, wurde ermahnt oder sogar ausgeschlossen. Protokolle und Aufzeichnungen aus dieser Zeit zeigen, wie ernst man die Aufgabe nahm und welche Bedeutung die Wehr schon damals für das öffentliche Leben hatte. Schritt für Schritt entwickelten sich feste Strukturen, regelmäßige Versammlungen und eine funktionierende Einsatzordnung, die Grundlage für das weitere Wachstum waren.

Über die Jahrzehnte hinweg wuchs die Zahl der Mitglieder kontinuierlich an. Waren es um 1880 nur rund 40 bis 50 aktive Feuerwehrleute, sorgten politische Umbrüche und die beiden Weltkriege später für starke Schwankungen. Viele Mitglieder wurden eingezogen, manche kehrten nicht zurück, andere übernahmen nach dem Krieg wichtige Rollen beim Wiederaufbau der Organisation. Mit dem Wirtschaftswunder und der Modernisierung von Technik und Ausbildung veränderte sich die Feuerwehr in den folgenden Jahrzehnten erneut deutlich. Heute, im Jubiläumsjahr 2024, zählt die Wehr über 200 Mitglieder – ein Zeichen dafür, wie stark sie in der Bevölkerung verankert ist und wie groß das Bewusstsein für gemeinschaftlichen Schutz geblieben ist.

Ein besonders markantes Ereignis war ein Großbrand im Jahr 1926, der wegen seiner außergewöhnlichen Größe und der Vielzahl der beteiligten Feuerwehren weit über den Ort hinaus Aufmerksamkeit erregte. Das Feuer griff auf mehrere Gebäude über und verlangte höchste Einsatzbereitschaft sowie enorme körperliche Anstrengung. Die damaligen Einsatzkräfte waren mit einfachen Mitteln ausgestattet, mussten improvisieren und zeigten unter schwierigen Bedingungen enorme Entschlossenheit. Der Einsatz blieb für viele Jahrzehnte Teil der lokalen Erinnerungskultur und verdeutlichte, wie wichtig eine funktionierende Feuerwehr ist.

Neben den fordernden Einsätzen prägte auch das gesellschaftliche Engagement das Bild der Feuerwehr. Fahnenweihen, Stiftungsfeste, Jubiläen und zahlreiche Veranstaltungen gehörten zum festen Bestandteil des Ortslebens. Diese Feste dienten nicht nur der Gemeinschaftspflege, sondern waren auch ein wichtiges Zeichen des Zusammenhalts. Sie stärkten die Beziehung zwischen Feuerwehr und Bevölkerung, ermöglichten Anschaffungen durch Spenden und machten die Wehr sichtbar als verlässliche Institution, die weit über den Einsatzdienst hinaus Wirkung entfaltete.

Auch die Führung der Feuerwehr durchlief in 150 Jahren viele Veränderungen. Wechselnde Vorstände, Kommandanten und Schriftführer formten den Kurs der Wehr in unterschiedlichen Zeiten – von wirtschaftlich schwierigen Jahren über historische Krisen bis hin zu Zeiten der Modernisierung. Viele von ihnen trugen durch langjährige Tätigkeit, organisatorisches Geschick oder besonderes Engagement maßgeblich zur Weiterentwicklung bei. Ihre Arbeit sorgte dafür, dass Ausbildung, Einsatzbereitschaft und Kameradschaft stets im Mittelpunkt standen und die Feuerwehr sich stetig weiterentwickeln konnte.

Trotz aller Veränderungen, technischen Fortschritte und gesellschaftlichen Wandlungen blieb eines stets unverändert: der Geist der Kameradschaft und die Bereitschaft, in Not zu helfen. Dieser Grundgedanke eint die Mitglieder seit 1874. Über Generationen hinweg wurde er weitergegeben, gepflegt und gelebt. Die Geschichte der Feuerwehr ist damit nicht nur eine Chronik von Einsätzen und Ereignissen, sondern auch eine Geschichte von Verantwortung, Gemeinschaft und Zusammenhalt – Werte, die auch nach 150 Jahren genauso aktuell sind wie am Tag der Gründung.